Advent

Der Wochenspruch:

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.
Sacharja 9, 9

Liebe Frau Rick,

da bereitet man sich nun wie in jedem Jahr auf das Fest vor. Gut – in diesem Jahr ist es etwas zeitiger. Noch haben wir November. Aber die Vorbereitungen müssen getroffen werden, sonst ist es zu spät. Manche Süßigkeit ist schon fast ausverkauft und im Supermarkt stehen die letzten preiswerten Schokoladenweihnachtsmänner zum Verkauf. Die teuren gibt es ja bis zuletzt.

Wir müssen uns ranhalten. Sonst bleibt keine Zeit mehr. Dieser Wunsch und jener Wunsch – es soll ja nichts offenbleiben. Und es macht doch auch Freude, dieses und jenes zu besorgen, zu verpacken und zu verstecken. Vorfreude. Schönste Freude.

Aber worauf freuen wir uns? Darauf, dass wir zu Weihnachten feststellen können, dass wir es uns auch in diesem Jahr wieder gemütlich gemacht haben und die richtigen Ideen hatten für die Lieben alle? Ich denke manchmal, die Zeit dafür ist vorbei. Vielleicht war sie nie da, aber hier im Nachkriegseuropa war es doch so verlockend, sich einzurichten. Und glauben Sie mir, Frau Rick, auch ich habe mich gern eingerichtet.

Aber je mehr ich über die Welt nachdenke, desto mehr erlebe ich sie bedroht. Was heißt „die Welt“? Die Menschen. Die Menschen in dieser Welt. Ja, vielleicht nicht alle. Es gibt welche, die genug zu essen und Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Es gibt wenige, die haben solchen Reichtum an Geld, dass sie nicht wissen, was sie noch alles damit anfangen sollen. Aber da sind so viele, die sind von Gewalt und Tod, von Ausbeutung und Ungerechtigkeit bedroht. Und sie wissen nicht wohin. Keiner will sie haben.

Das treibt mich um in diesem Advent und ich weiß noch gar nicht, wie ich ihn erleben werde. Da kommt mir der Trost gerade recht: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ Ja, das wäre es. Einer, der hilft, einer der gerecht ist und macht. Ich fürchte, es geht nicht ohne Konsequenzen für mich ab. Aber es scheint so, dass ich weder alles vorbereiten muss, noch alles machen kann, sondern dass ich etwas erwarten darf: Gerechtigkeit und Hilfe. In aller meiner Zerissenheit.

Einen ermutigenden Ersten Advent wünsche ich.

Dank an Amnesty Poland für das Video

Veröffentlicht am 17.05.2016

When talking about the problem of refugees, we use dehumanised language, which reduces human tragedy to numbers and statistics. But this suffering concerns real people, who – just like us – have families, loved ones, friends; their own stories, dreams, goals… Only when you sit down opposite a specific person and look into their eyes, you no longer see an anonymous refugee, one of the migrants, and notice the human before you, just like yourself – loving, suffering, dreaming…
20 years ago, psychologist Arthur Aron discovered that 4 minutes of looking into each other’s eyes can bring people closer. Using this discovery, we decided to carry out a simple experiment, during which refugees and Europeans sat opposite each other and looked into each other’s eyes. Clearly, it is most important to give each other time to better understand and get to know each other.
The experiment was conducted in Berlin: the city, which – first of all – is a symbol of overcoming the divisions, and secondly, seems to be the centre of the contemporary Europe. We wanted the movie created on the basis of the experiment to be as symbolic as possible – and to touch upon the general divisions between people.
The experiment participants were ordinary people. The situations were not staged; we wanted to get natural, spontaneous reactions. The people sitting opposite each other had not known each other before and saw each other for the first time during the experiment. What is important, the refugees mostly came from Syria and had not been living in Europe for longer than a year.

Mówiąc o problemie uchodźców używa się odhumanizowanego języka, który ludzką tragedię sprowadza do liczb i statystyki. A przecież cierpią konkretni ludzie, którzy – tak jak my – mają rodziny, bliskich, przyjaciół; swoje historie, marzenia, cele… Dopiero kiedy siadasz naprzeciwko konkretnej osoby i spoglądasz jej w oczy, to przestajesz widzieć w niej anonimowego uchodźcę, jednego z migrantów, a zauważasz w nim człowieka, takiego, jakim sam jesteś – kochającego, cierpiącego, marzącego…
20 lat temu, psycholog Arthur Aron odkrył, że 4 minuty patrzenia sobie w oczy potrafi zbliżyć do siebie ludzi. Wykorzystując to odkrycie, postanowiliśmy przeprowadzić prosty ekperyment, podczas którego uchodźcy oraz Europejczycy usiedli naprzeciw siebie i spojrzeli sobie w oczy. Najważniejsze bowiem jest danie sobie czasu, żeby się lepiej zrozumieć i poznać.
Eksperyment przeprowadziliśmy w Berlinie, mieście które – po pierwsze – jest symbolem przezwyciężenia podziałów, a po drugie wydaje się być centrum współczesnej Europy. Zależało nam na tym, by powstały na bazie eksperymentu film był jak najbardziej symboliczny w swoim wyrazie – i dotykał podziałów między ludźmi w ogóle.
Uczestnikami eksperymentu byli zwykli ludzie. Sytuacje nie były reżyserowane, zależało nam na naturalnych, spontanicznych reakcjach. Siedzące naprzeciwko siebie osoby nie znały się wcześniej i podczas eksperymentu zobaczyły po raz pierwszy. Co istotne uchodźcy pochodzili głównie z Syrii i nie mieszkali w Europie dłużej niż rok.

CREDITS:
Director: Bartosz Dombrowski (Papaya Films)
DOP: Kuba Kijowski
Editing: Katarzyna Orzechowska | Mateusz Romaszkan
Music: Atanas Valkov
Sound Design: Błażej Kafarski
Producer: Siasia Seyfried
Production dept. Kasia Wac
Production Manager: Ania Stylińska
Casting | refugees: Ania Alboth
Camera Operator: Patricia Lewandowska
Camera Operator: Magda Górfińska
Camera Operator: Casey Cambell
1st Camera Assistant & Focus Puller: Nick Dietz
Assistant & Focus Puller: Katharina Hauke | Yuri Salvador
Gaffer: Konrad Pruski
Digitalization: Haman Wawrzyniec
DIT Martin Hecht
Sound Engineer: Konrad Serowiecki
Post Production: Rio de post – Sylwia Skrzypek

Cinegate Berlin (Sebastian Enke | Gösta Hess | Florian Wimmer | Daniel Sippel | Andi and Stefan)
Ewerk | Elaine Mathe
Rio de Post
Glośno
Dreamsound
Papaya Films | Kacper Sawicki
Cut Cut | Maciej Kozłowski | Paweł Szczypek | Robert Cacaj
Central Park Berlin | Sascha Wolfram & Roland Patzelt

Unvergängliches Leben.

  1. Sonntag nach Trinitatis

Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht.  2.Tim1, 10

 

Liebe Frau Rick,

manche sagen, ganz der Vater, wenn sie eines meiner Kinder und mich zusammen sehen. Manchmal bis in die Handbewegungen hinein. Ich weiß nicht, ob ich meine Kinder dazu beglückwünschen soll… Aber dann wird mir schnell geantwortet: Sie haben es doch gut: Sie leben in ihren Kindern fort. Aber will ich das? Die sollen doch ihr eigenes Leben leben und nicht immer etwas von mir mit sich herumschleppen.

Wenn ich an meinen Vater denke, dann bemerke ich, dass ich nicht nur Schweres von ihm schleppe, sondern auch Gutes von ihm in mir trage. Mein Vater ist trotz seiner Größe immer sehr aufrecht gegangen – daran muss ich immer denken. Es richtet mich auf. Ich trage das Gute von ihm in mir genauso wie alles andere. Er lebt so in mir und ich vielleicht in meinen Kindern. Aber das sind doch nicht die Gene, oder?

Vielleicht ist es so, dass eben nichts verloren geht von dem was und wie wir sind? Alles bleibt in der Welt. Alles bleibt im Leben. In den Kindern, in den Menschen, denen wir begegnen, in der Welt, in der wir mit Menschen, Bäumen und Tieren leben. Ja, das kann ein erdrückender Gedanke sein und an das Herumschleppen und an das Schuldigbleieben und -werden erinnern.

Es kann uns aber auch in unserer Hoffnung bestärken: Nichts, was wir Gutes tun, geht verloren! Kein freundliches Wort ist umsonst, kein Lächeln an der Supermarktkasse, kein ermutigendes Wort gegenüber der Nachbarin. Keine Hilfe für Menschen, die zu uns fliehen, ist vergeblich, kein Zuhören, kein Stammeln in der fremden Sprache und auch keine Träne über miterlebte Demütigung. Alles bleibt und wirkt. Es hat ein unvergängliches Wesen.

Ja, daran kann ich manchmal ahnen, was das heißt, wenn von ewigem Leben geredet wird. Das werde nicht ich sein mit meiner realen Körpergröße, sondern bleiben wird mein Gang. Die Art, wie ich mich in dieser Welt bewege, die wird bleiben. Und sie kann zum Guten wirken. Ja, sie wird zum Guten wirken.

Das lässt mich aushalten und gegen allen Augenschein hoffen, dass die Menschen, dass meine Kinder, dass meine Brüder und Schwestern nicht in Furcht und Zittern untergehen, sondern Leben haben werden. Und ein unvergängliches Wesen.

Mit guten Wünschen.

Ihr Jochen M. Heinecke

Nachdenken über … Grenzen

So heißt eine Sendereihe bei NDR-Kultur aus der ich diesen Beitrag empfehle:

Stand: 30.03.2016 14:48 Uhr – Lesezeit: ca.3 Min.

Anke Domscheit-Berg über Grenzenlosigkeitgrenzen110_v-vierspaltig

von Anke Domscheit-Berg

In der April-Ausgabe der Kurz-Essay-Reihe „Nachdenken über…“, beleuchten vier sehr unterschiedliche AutorInnen aus ihren Blickwinkeln, Lebenserfahrungen und Professionen heraus den Begriff „Grenzen“. Anke Domscheit Berg erinnert sich an das Glück fallender Grenzen vor 26 Jahren.

Wir leben in einer Zeit, in der der Begriff der „Grenze“ allgegenwärtig ist: Grenzen der Belastung, Grenzen des Machbaren und immer wieder EU Außengrenze. Ich vermisse die Zeit, in der die Grenzenlosigkeit des Internets die Gewissheit nährte, dass auch in der analogen Welt Grenzen an Bedeutung verlieren. Dienste wie Twitter lassen mich Grenzen vergessen, im Großen, wenn mal wieder ein Hashtag rund um den Globus zum Trend wird oder im Kleinen, wenn es am anderen Ende der Welt jemanden gibt, der oder die gleiche Leidenschaften pflegt wie ich und mir näher ist, als unsere Nachbarn zwei Häuser weiter.

Eine Welt ohne nationale Grenzen

Ich vermisse die Zeit, in der Europa enger zusammenwuchs, Menschen sich so frei über Ländergrenzen hinweg bewegten, als führen sie nicht von Griechenland über Italien bis nach Frankreich sondern schlicht von Athen über Rom nach Paris – in einem großen, gemeinsamen Land. Für mich war das ein erster Schritt auf einem langen Weg, dessen Ziel eine Welt ohne nationale Grenzen ist. Aber statt uns weiter näher zu kommen, platzte unser europäischer Traum genau in dem Augenblick, als wegen Krieg und Terror Tausende Menschen an den Toren Europas Zuflucht suchten. So viele Geflüchtete wie heute gab es weltweit zuletzt im Zweiten Weltkrieg, als vor allem Europäer in anderen Ländern Sicherheit suchten.

In der EU leben heute 508 Millionen Menschen im reichsten Wirtschaftsgebiet der Welt. Aber 2 Millionen Geflüchtete, weniger als 0,4 Prozent der Einwohnerzahl der EU, bringen uns, die Friedensnobelpreisträger des Jahres 2012 dazu, Stacheldrahtmauern hochzuziehen, koste es was es wolle, Hauptsache das Elend der Geflüchteten bleibt jenseits der Tür unseres europäischen Hauses. Abschreckende Grenzen wohin man schaut. Bilder in der Tagesschau, die aussehen wie aus Zeiten des Kalten Krieges. Ich bin entsetzt, wenn ich von drei Meter hohen Betonmauern mit Selbstschußanlagen an der syrisch-türkischen Grenze höre. Selbstschußanlagen gegen Flüchtlinge – das ist auch heute noch ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Das Gefühl grenzenloser Möglichkeiten

1989 glaubte ich wie andere Oppositionelle an ein Möglichkeitsfenster für eine demokratische Reform der DDR. Deshalb gingen wir damals zu Millionen auf die Straße, als ein Volk, das für Offenheit und Freiheitsrechte kämpfte. Nie hätte ich geglaubt, dass am Ende die verhasste Mauer fallen könnte. Und dann fiel sie doch.

Seinerzeit überwältigte mich ein Gefühl grenzenloser Möglichkeiten, die Erkenntnis, dass alles, wirklich absolut alles machbar ist, wenn man es will und gemeinsam dafür kämpft. Mit der Mauer fiel für mich so auch der Begriff des Unmöglichen. Nur deshalb verliere ich auch heute die Hoffnung nicht, kann ich glauben, dass Demokratie und Menschenrechte stärker sein werden als nationalistische Bestrebungen. Mit mehr als 20.000 Toten an Europas Außengrenzen den Rekord als Tödlichste Grenze der Welt  zu halten, muss doch alle Demokraten entsetzen.

Ich weiß, dass auch ein Europäischer Mauerfall möglich sein wird. Wenn wir nur wie 1989 viele sind, die das gleiche wollen. Dann schaffen wir auch alles, was damit verbunden ist, denn selbst fünf Millionen Geflüchtete wären nicht einmal ein Prozent der Einwohner Europas. Erst dann hätten wir Europäer den Friedensnobelpreis auch verdient.

Ein Italiener schreibt über die Deutschen.

Natürlich besser: ein Römer schreibt über die Germanen. Tacitus (Germania 21,3) erinnert an unsere Wurzeln:

„Convictibus et hospitiis non alia gens effusius indulget. quemcumque mortalium arcere tecto nefas habetur; pro fortuna quisque apparatis epulis excipit. cum defecere, qui modo hospes fuerat, monstrator hospitii et comes; proximam domum non invitati adeunt. (21,3) nec interest: pari humanitate accipiuntur. notum ignotumque, quantum ad ius hospitis, nemo discernit. abeunti, si quid poposcerit, concedere moris; et poscendi in vicem eadem facilitas. gaudent muneribus, sed nec data imputant nec acceptis obligantur. victus inter hospites comis…“

„Einem Sterblichen, gleich wem, sein Haus zu verwehren gilt als Frevel. Jeder bewirtet mit einem seinen Verhältnissen entsprechenden Essen. Ist dies ausgegangen, so wird der bisherige Wirt Wegweiser und Begleiter zu einem anderen Gastgeber, und uneingeladen gehen sie in das nächste Haus. (3) Und es macht dies nichts aus: mit gleicher Freundlichkeit werden sie aufgenommen. Zwischen Bekannten und Unbekannten macht, was das Gastrecht angeht, niemand einen Unterschied. Bittet sich einer beim Gehen etwas aus, ist es Sitte, es ihm zuzugestehen, und sich dagegen etwas auszubitten nimmt man ebenso leicht. Sie haben Freude an Geschenken, doch rechnen sie die gegebenen nicht an und fühlen sich durch die empfangenen nicht verpflichtet. Der Verkehr unter Gastfreunden ist freundlich.“

 

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Angst ist ein schlechter Ratgeber.

BILDKORREKTUR – BILDER GEGEN BÜRGERÄNGSTE

Angst ist ein schlechter Ratgeber. Unsere Vorsätze für 2016: weniger Angst haben – mehr wissen.

Eine Gruppe bekannter deutscher Zeichner hat sich zusammen getan,
um die Top15 der Besorgten-Bürger-Ängste zu illustrieren –
und mit Fakten zu entkräften.

Viele Ängste im Zusammenhang mit Flüchtlingen sind faktisch unbegründet, aber nur wenige wissen das.
Zahlen können helfen Vorurteile und diffuse Ängste abzubauen.
Aber Zahlen haben einen klaren Nachteil: Sie sind langweilig.
In der Welt der sozialen Medien haben sie damit schlechte Karten.

Hier kommen wir ins Spiel, denn wir arbeiten mit der Macht der Bilder.
Als die bunte Seite der Macht haben wir uns der Zahlen und Fakten angenommen und sie in eine bunte, unterhaltsame und eingängige Form gebracht.

Wir möchten als Zeichner Stellung beziehen – nicht populistisch, sondern konstruktiv.

Meine Damen und Herren,
15 Gründe keine Angst zu haben in rot und blau als formschöne Klickstrecke.
Konzipiert fürs Internet und den maximalen Verbreitungsgrad.

Die Bilder werden auf einer Website zugänglich und unbegrenzt teilbar gemacht.

Warum jetzt? Weil nicht nur weiterhin viele Menschen zu uns kommen – sondern auch bereits 1.000.000 bei uns sind.
Und hier wird es spannend. Wenn die starken Bilder des Willkommens aus dem September verblassen, ist es wichtig eine gut informierte Grundlage für das gemeinsame Zusammenleben zu schaffen.

Und das Jahr 2016 mit einer guten Nachricht beginnen zu lassen.

Das Projekt ist fortlaufend, da das Thema uns weiterhin begleiten wird. Die nächsten Beiträge kommen bald.