Anfang.

Ich bin es gewöhnt, Montag zu denken. Jeder europäische Kalender gibt das nach der Norm ISO 8601 vor und zeigt damit den gegenwärtigen Stand der Entwicklung. Die Woche hat sieben Tage. Die Alten haben sich dabei am Mond orientiert. 321 wurde für einen Tag der Woche die Sonntagsruhe eingeführt um den Leuten Gelegenheit zu geben, Gottesdienste zu feiern. Später wuchs für den Sonntag immer mehr die Ruhepflicht. Zahlreiche Tätigkeiten wurden verboten. Seit 1976 ist er nun letzter Tag des Wochenendes geworden und hat sich gegenwärtig zum Freitagnachmittag hin ausgedehnt. Freitags nach eins macht jeder seins. Montag fängt die Woche wieder an. Der Wecker klingelt. Die Arbeit ruft.

In meinem Kalenderprogramm auf dem Computer wird mir die Frage gestellt: Woche beginnt mit? Sonntag? Montag? Gute Frage.

Dazwischen windet sich durch die Jahrtausende eine andere, widerspenstige Linie: Die Woche fängt am Sonntag an. Die Juden kannten das schon lange, die christliche und die islamische Tradition haben das fortgeführt. Gerade für die Christen ist der Tag besonders bedeutsam: An einem ersten Tag der neuen Woche, als alles wieder losging, da wird bezeugt: Das Grab ist leer. Der Tod hat den Jesus aus Nazareth nicht behalten können.

Das gibt dem Leben und Arbeiten einen ganz anderen Klang. Sonntag ist nicht Ende, sondern Anfang. Wenn einer zum Gottesdienst geht, beendet er damit nicht seine Tätigkeit, sondern er beginnt sie neu. Das ganze Leben beginnt an einem Sonntag. Ausruhen kommt vorher.

Natürlich ist dieser Ton widerspenstig. Er widerspricht dem, was uns umgibt: Erst die Arbeit und dann das Vergnügen. Ich stelle meinen Wochenkalender ja auch so ein: erster Tag der Woche = Montag. Sonst muss ich bei der Planungsarbeit so viel umdenken. Anderes habe ich in meinem Herzen: Wenn ich mit dem Gottesdienst starte, komme ich anders in die Gänge, als mit einem Weckerklingeln. Ich beginne die Arbeitswoche nicht mit Arbeit, sondern mit dem Gottesdienst.

Und ich nehme ein Wort mit in die Woche, dass in diesem Gottesdienst vorkommt und mich von dort aus begleitet.

So kann der Sonntag auch ohne Ruhepflicht auskommen. Es gibt so viele, die in Schichten im Betrieb sein müssen oder die gerade deshalb arbeiten, damit die anderen ihre gesetzlich gesicherte Entspannung auch erleben können.

Der Sonntag, die Arbeitswoche, ja das ganze Leben kann aber nicht auskommen ohne den Zuspruch des Wortes Gottes. Dieses Wort ist gerade mit dem Geschehen am ersten Tag der Woche verbunden: Das Leben beginnt. Und: es hat eine Zukunft. Der Tod wird nicht das letzte Wort haben.

Deshalb kann man hier lesen, was ich sage.