Monatsspruch August 2020

„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“ Ps 139,14

Ist das ein Wunder?

„Das ist ja wunderbar.“ Wann haben Sie das zuletzt gesagt? Was haben Sie zuletzt als wunderbar bezeichnet – also als „überaus schön, gut und deshalb Bewunderung, Entzücken o. Ä. hervorrufend“, wie es der Duden erklärend formuliert? Haben Sie es zu einem anderen Menschen gesagt? Haben Sie es zu sich selbst gesagt: Ich bin wunderbar?

Ja, es klingt eigenartig. Man spricht nicht so von sich selbst. Nach außen ist man bescheidener. Aber ist der Mensch etwas, worüber man in aller Bescheidenheit und Selbstverständlichkeit reden kann? Oder ist er nicht ein Wunder – also ein Geschehen, ein Ereignis, das aller Erfahrung widerspricht, ein Ereignis, das Staunen erregt? Wiederum der Duden. Sind Sie selbst ein Wunder?

Manchmal kommt man ins Nachdenken darüber. Wer bin ich denn eigentlich, fragt sich heute mancher Polizist. Warum werde ich angegriffen? Wo ist der Respekt hin? Wieso denken andere so über mich? Das ist die Außenperspektive. Da kann man sich verteidigen. Da kann man aufmerksam sein gegenüber Argumenten. Da kann man sich ändern. Man kann in der Organisation etwas bewegen. Da kann man sich einsetzen für bessere Fortbildung, Ausbildung und für Achtsamkeit. Das ist richtig und wichtig.

Man kann auch versuchen, sich mit seinen grundlegenden Werten auseinanderzusetzen. Das ist die Innenperspektive. Wer bin ich eigentlich? Wer bin ich in meinem ureigensten Kern, eben eigen-tlich? Könnte nicht auch ein Polizist ein Wunder sein?

Wer nach innen sieht, sieht sich selbst und das was ihn ausmacht. Ja, das Dunkle und Mühsame, das Abschreckende und Schwere, die einengenden Urteile und die eingeschränkten Fähigkeiten der Erkenntnis, die gehören auch zu uns. Aber wenn man da im Denken und Suchen nicht stehen bleibt, dann, ja dann ist es wohl ein Wunder: Der Mensch ist wunderbar gemacht! Der Mensch ist etwas, das überaus schön und gut gemacht ist. Jeder von uns ist ein Ereignis, das Staunen hervorruft.

Man kann viel Schlechtes über Menschen und Polizisten verbreiten. Man hat oft Grund dafür und Recht damit. Es nützt uns nur nichts. Das Gute muss hervor. Was uns wirklich hilft, ist nicht ein andauernder Dialog über unsere Mängel. Es ist das Gespräch über das, was unsere Werte sind. Wer sind wir eigentlich? Und da empfiehlt sich immer erst der Blick nach innen. Es erwartet uns am Grunde eine ermutigende Erkenntnis: Ich bin wunderbar gemacht. Ich bin ein Wunder.

Wer für sich selbst eine solche Erkenntnis gewonnen hat, gewinnt einen anderen Blick auf die anderen Menschen. Nein, nicht rosarot. Manches schmerzt einen umso mehr, weil es eben anders sein könnte. Wer Menschen als gut denken kann, nimmt das Böse nicht mehr selbstverständlich und als gegeben hin.

Die Chance ist: Wer sich selbst als Wunderwerk verstehen kann, wird verständnisvoller, sicherer und freier gegenüber sich und anderen. Das tut der Polizei gut und allen, die mit ihr zu tun haben.

Einen August mit stärkenden Erkenntnissen wünsche ich!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.