Monatsspruch September 2020

„Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.“ 2.Kor 5,19 (E)

Es kann heil werden.

Ich weiß ja nicht, wo Sie herkommen, wenn Sie diesen Text lesen. Gott, Christus, Welt in einem Satz – das ist vielleicht zu viel. Und die Versöhnung noch dazu. Haben Sie es nötig, sich mit Gott versöhnen zu lassen? Ich weiß es nicht.

Haben Sie überhaupt etwas nötig? Ok: Haus, Pool, Auto…  – da wissen Sie, wie kurzlebig und nicht belastbar solche Wünsche und solche Güter sind.  Aber wie ist das mit Anerkennung für die vielen Überstunden oder auch nur für die normal geleistete Arbeit? Wie ist das mit einem Menschen, der uns darüber hinaus noch versteht? Ein Mensch, der zuhört, der tröstet, der widerspricht, der vielleicht auch einmal zurechtweist (das ist ja im Wortsinn nicht schlecht)? Haben wir nicht mindestens einen Menschen nötig?

Ja, für solch einen Menschen bäckt man einen Kuchen, bringt Blumen mit, organisiert trauliche Stunden und gemeinsame Freizeit. Bei allem Guten, bei aller Liebe – es bleibt nicht aus, dass man sich verletzt. Man wird gegenseitigen Erwartungen nicht gerecht. Man versucht, die andere zu dem Bild zu formen, das man von ihr hat. Es gibt Nachlässigkeit, Unachtsamkeit, Verletzung. Wir brauchen Versöhnung (oder auch Vertöchterung), wir brauchen immer wieder Heilung, eine Wiederherstellung der familiären Beziehung. Das muss wieder klar werden: Mann und Frau, Mutter und Sohn, Vater und Tochter. Die Beziehung muss wieder stimmen.

Manchmal gelingt das, manchmal nicht. Die Verletzungen sind vielleicht zu schwer, die Verhältnisse sind nicht überschaubar. In diesen Horizont hinein, setzt der Monatsspruch eine Konstruktion, die eben die Voraussetzung ist: Gott versöhnt die Welt mit sich – Mann und Frau, Mutter und Tochter und Vater und Sohn und den ganzen unüberschaubaren Zusammenhang.

Ohne das Denken von Gott und Christus, von Welt und von dem Heil, dass wir nötig haben, nützt einem das Reden über so das ganze Christentum nichts. Das ist nett, exotisch und fern. So ist es nun einmal. Für eine Beziehung sind immer Voraussetzungen notwendig. Eine davon ist Vertrauen: Ich vertraue Dir, dass Du da bist und dass du es gut meinst mit mir. Das ist die Voraussetzung in einer Beziehung. Und in anderer Beziehung und auf anderen Feldern ist das die Voraussetzung für ein Verhältnis zur Führung einer Organisation und für ein gedeihliches Wirken miteinander. Das gilt für Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr oder Kirche gleichermaßen.

Für mich ist es eine Lebenshilfe, dass ich darauf vertrauen kann, dass jenseits aller Menschen immer noch eine Instanz da ist, die es gut mit mir meint. In allen und in jeder Beziehung. Und nicht nur als abstrakte Idee, als Gedanke, sondern erfahrbar als Mensch wie Sie und ich. In Christus ist die Versöhnung wiederhergestellt, ist die Beziehung zum Grund der Welt, zur Mitte des Seins wieder in Ordnung gekommen. Ein für alle Mal und immer wieder neu erfahrbar. Ich kann mich darauf verlassen. Alles wird wieder heil.

Einfach zu verstehen ist das nicht. Aber so ist es ja in jeder Beziehung.

Ich wünsche einen September mit der Erfahrung, dass etwas heil werden kann.

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