Monatsspruch Oktober 2020

„Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s euch auch wohl.“ Jer 29,7

Wo gehöre ich hin?

Ein Glücksfall ist es, wenn ich mich da wohl fühle, wo ich gerade bin! Zu schön ist der Zustand zu wissen und/oder zu fühlen: Ja, das ist mein Platz. Mancher hat das, wenn er abends heimkommt in die vertraute, liebgewordene Umgebung. Manche hat das, wenn sie zu vertrauten, liebgewordenen Menschen heimkehrt. Ja, da bin ich richtig. Ein Glück!

Mancher hat das, wenn er abends auf seiner Terrasse sitzt und über den Garten blickt. Mancher hat das, wenn er seine Fische füttert oder mit dem Hund durch den Park geht – das ist der richtige Platz zum Wohnen und Leben. Ein Glücksfall ist dieses Gefühl.

Mancher kann es auch auf der Dienststelle erleben: Ich bin an der richtigen Stelle. Ich kann meine Gaben, meine Kenntnisse und Fähigkeiten einsetzen. Ich fühle mich mit Kolleginnen und Kollegen wohl. Ein Glück.

Der Monatsspruch ist aus dem genauen Gegenteil geboren: Die Juden sind deportiert worden. Das war geschichtlich vor etwa 2500 Jahren geschehen. Sie waren nicht mehr am richtigen Ort. Versetzt mit Gewalt. Ausgerissen und verpflanzt. Weggespült aus der Heimat. Die Juden traf es in ihrer Religion, in ihrem Glauben und Vertrauen besonders hart: Gott, meinten sie, wohnt doch nur im Tempel in Jerusalem. So waren sie aufgewachsen. Und nun? Da saßen sie irgendwo am Euphrat oder am Tigris. Sie verstanden weder Sprache noch Gebräuche. Mühsam versuchten sie sich zu orientieren. Und dann die vielen Fragen: Sollen wir uns hier niederlassen? In der Fremde? Sollen wir uns einlassen auf die Menschen hier? Fern unserer gewohnten und liebgewonnen Heimat? Fern von allen Orten, die uns wichtig sind? Ohne Kenntnisse und Fähigkeiten in bewährter Weise einsetzen zu können? Und letztlich: Gibt es hier Gott?

Jeremia musste als Prophet mit. Sie fragten ihn: Was sagt denn nun Gott dazu? Was sollen wir machen? – Suchet der Stadt Bestes. Das war die Antwort.

Hadert nicht mit den Umständen, in die ihr geraten seid. Ob aus eigenem Verschulden, ob aus Schicksal, ob wegen der Umstände, ob wegen der Politik – hadert nicht damit. Da seid ihr nun und nun sollt ihr damit zurecht kommen.

Einfach ist das nicht! Und es ist auch kein Zuruf, alles hinzunehmen und nicht gegen Ungerechtigkeit, Missachtung und falsche Entscheidungen zu protestieren. Das wäre nicht Gott, der so etwas will. Man kann die Wirklichkeit als feindlich gesinnt hinnehmen und hadern. Man kann sich der Realität stellen. Jeremia sagt: Verschwendet nicht Eure Energie ans Hadern. Wartet nicht jammernd auf bessere Umstände.

So verstehe ich den Jeremia als Ermutiger: Stelle Dich dem Platz, an dem Du bist. Stelle Dich der Stadt, in der Du lebst. Nicht alles kann man sich aussuchen. Versuche darauf zu vertrauen, dass Gott mit seiner Kraft überall ist, nicht nur im Tempel, in der Kirche oder in der vertrauten Sprache. Hadere nicht, sondern suche mit dem Blick der Liebe darauf zu sehen, was allen zum Besten dient. Es kommt zu Dir zurück. So hat das Glück eine Chance.

Ich wünsche einen Oktober mit der Erfahrung, dass Heimat wächst.